Knorpelgewebe


Das Knorpelgewebe überdeckt die gelenkbildenden Knochen, sodass bei Bewegung möglichst wenig Reibung zwischen den Gelenkpartnern entsteht. Knorpel zeichnet sich durch seine einzigartigen elastischen, stoßdämpfenden und reibungsarmen Eigenschaften aus (sog. Wasserkisseneffekt). Knorpel besteht aus einer Substanz (Matrix), welche lange Proteine (Kollagene) beinhaltet, die große Mengen von Wasser binden können. In dieser Knorpelmasse befinden sich vereinzelte Knorpelzellen, welche die Kollagenfasern herstellen.

Knorpel ist ein nicht durchblutetes, nervenfreies Gewebe und ist daher nicht regenerationsfähig und selbst nicht schmerzempfindlich. Das bedeutet, dass ein Knorpelschaden, einmal aufgetreten, sich nicht selbst heilen kann, und daher immer weiter fortschreitet. Der Knorpel sorgt für den Schutz des unter dem Knorpel liegenden Knochens vor Überlastung. Gleichzeitig ist er ein wichtiges und festes Widerlager für den Knorpel.

Knorpelgewebe wird durch Diffusion der Gelenkflüssigkeit, der sog. Gelenkschmiere ernährt. Die Knorpelzellen sind somit ausschließlich auf die Nährstoffversorgung durch die Gelenkschmiere angewiesen, die den Gelenkspalt ausfüllt und von der Gelenkschleimhaut gebildet wird.

Für die Ernährung der Knorpelschicht ist die Bewegung des Gelenkes, nämlich das Wechselspiel von Belastung und Entlastung, unerlässlich. Denn während der Belastung werden verbrauchte Stoffe aus dem Knorpel gepresst, und in der Entlastungsphase wird neue Gelenkschmiere mit frischen Nährstoffen im Gelenkspalt verteilt. Mit fortschreitendem Alter oder bei übermäßiger Belastung verliert die Knorpelschicht ihre Elastizität. Sie wird spröde und bekommt Risse.

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Symptomatik, Lokalisation und Ausmaß des Knorpelschadens.

Arthrose

Bei der Arthrose handelt es sich um einen natürlichen Verschleißprozess, welcher alle Gelenke befallen kann. Im Laufe unseres Lebens nutzen sich unsere Gelenke je nach Belastung und Belastbarkeit früher oder später ab. Es kommt zum Knorpelverschleiß. Da der Knorpel ein nicht regenerationsfähiges Gewebe bildet, sind die Schäden, einmal aufgetreten, nicht mehr selbstheilungsfähig.

Arthrose ist ein Gelenkverschleiß, der viele Ursachen besitzen kann, mit zunehmendem Alter immer häufiger auftritt - die Hälfte aller über 60-jährigen klagt über Gelenkbeschwerden - und durch einen zunehmenden Knorpelverlust gekennzeichnet ist. Sie gehört zu den häufigsten Gründen in Deutschland für Frühberentungen und Arbeitsunfähigkeiten und betrifft sehr viele Menschen.

Die Erkrankung beginnt meist schleichend.

Ursachen der Arthrose können sein: der allgemeine im Alter zunehmende Gelenkverschleiß, Verletzungen, sportliche und berufliche Überlastung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rheuma, hormonelle Faktoren – zum Beispiel nach den Wechseljahren der Frau -, oder vererbbare Minderbelastbarkeit des Knorpelgewebes.

Die Symptome der Arthrose sind vielfältig. Dabei muss Arthrose selbst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium überhaupt nicht schmerzhaft sein, selbst wenn das Röntgenbild und die MRT-Untersuchung schwere verschleiß- oder verletzungsbedingte Knorpelschädigung oder sogar einen völligen Knorpelverlust nachweisen. Man unterscheidet daher eine ruhende Arthrose, d.h. eine nicht schmerzhafte, von einer aktivierten Arthrose die mit deutlicher Schmerzsymptomatik einhergeht. Weitere Symptome der Arthrose können sein: Anlaufbeschwerden nach Ruhephasen insbesondere morgens. Belastungs-, Bewegungs- oder gar Ruheschmerzen, Empfindlichkeit auf Wärme oder Kälte, Bewegungseinschränkung, d.h. eine nicht mehr vollständige Streckbarkeit des Kniegelenkes oder eine verminderte Beugefähigkeit, Wetterfühligkeit, schmerzhafte Gelenkgeräusche. Geräusche und Knacken ohne Schmerzen haben keinen Krankheitswert und sollte sie nicht beunruhigen. Weiter Symptome sind Blockaden, Überwärmung, Schwellung, Ergussbildung.

Ziel der ärztlichen Therapie ist es aus einer aktivierten schmerzhaften Arthrose eine ruhende Arthrose, d.h. eine nichtschmerzhafte bzw. kaum schmerzhafte Arthrose zu erreichen. Dabei ist von Bedeutung, ob ein akuter oder chronischer Schmerz zu behandeln ist. Bei akuten Beschwerden ist eher mit einem rascheren therapeutischen Erfolg zu rechnen, als bei meist schon über Jahre bestehende chronische Schmerzen.

Ursachen

Gelenkknorpelschäden entstehen bei jüngeren Menschen meist durch einen Unfall wie z.B. eine Sprunggelenks- oder

Knieverdrehung oder durch angeborene oder entwicklungsbedingte Gelenkfehlstellungen.
Bei älteren Menschen ohne einen Unfall in der Vorgeschichte spielt bei Gelenkknorpelschäden der natürliche Verschleiß die Hauptrolle.


Beide Ursachen können dann zum Krankheitsbild des sehr schmerzhaften Gelenkverschleißes führen – Arthrose genannt. Warum dies beim einen früher, beim anderen gar nicht oder später auftritt, kann verschiedene Gründe haben, wie weiter unten aufgelistet.

Wissenschaftliche Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass beim erwachsenen Menschen ein einmal eingetretener Knorpelschaden, ob nach Unfall oder anderer Ursache, unbehandelt nicht ausheilen kann. Im Gegensatz dazu zeigen kindliche Knorpelverletzungen wohl aufgrund eines höheren Stammzellanteils häufig eine gute Selbstheilungstendenz. Hier sind Kontrollen und Nachbeobachtungen wichtig.

Tritt der Knorpelschaden früh im Erwachsenenalter auf, muss man leider (in Abhängigkeit von Defektort und betroffenem Gelenk) früh mit einem schmerzhaften altersvorauseilenden Gelenkverschleiß (Arthrose) rechnen, wenn der Knorpeldefekt nicht schnell und adäquat behandelt wird.

Das Gefährliche ist, dass auch größere Knorpelschäden häufig lange Zeit unerkannt bleiben und nur geringe aber wichtige Warnzeichen an den Betroffenen geben. Wenn aber der Knorpelschaden dann länger als 3 Jahre besteht und schon in einen Verschleiß (Arthrose) übergeht, sind auch die Behandlungsmöglichkeiten deutlich schlechter.

Daher ist es wichtig, die Warnzeichen, wie z.B. Blockierungen, leichte Belastungsschmerzen (z.B. beim Sport), morgendliche Anlaufschmerzen und geringe Schwellungen früh zu erkennen, damit die „tickende Zeitbombe“ entschärft werden kann.Arthrose

Überblick

  • Unfallbedingte Verletzungen
  • Fehlstellungen wie X- und O-Beine
  • Übergewicht
  • Übermäßige Belastung durch Beruf oder Sport
  • Instabilitäten z.B. nach Kreuzbandverletzungen,
  • Kniescheibenausrenkungen (Patellaluxation), Bänderrissen am Knie- oder Sprunggelenk
  • Kniescheibenfehlbildungen (Patelladysplasie)
  • Fehlbildungen des Hüftkopfes und/oder der Hüftpfanne
  • (Femuroazetabuläres Impingement)
  • Zu geringe Überdachung der Hüftpfanne (Hüftpfannendysplasie)
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen
  • Familiäre und genetische Gründe

Prävention


Bewegung ist besonders wichtig für die Knorpelernährung in den Gelenken aufgrund des Wechselspiels von Belastung und Entlastung. Denn während der Belastung werden verbrauchte Stoffe aus dem Knorpel gepresst, und in der Entlastungsphase wird neue Gelenkschmiere mit frischen Nährstoffen im Gelenkspalt verteilt.


Eine gesunde Ernährung ist für einen gut funktionierenden Stoffwechsel von Bedeutung, davon profitiert auch das Knorpelgewebe in den Gelenken. Nahrungsmittel die eine erhöhte Harnsäure verursachen, sollten vermieden werden, da sich Gichtkristalle in Gelenken bilden können, die zu Entzündungen und Knorpelabau führen können.


Rauchen sollte unterlassen werden. Es ist bekannt, dass die in Zigaretten enthaltende Schadstoffe zu Gefäßverengungen führen und so, aufgrund einer geringeren Sauerstoffzufuhr im Gewebe, Durchblutungsstörungen in den Beinen verursachen. Das hat auch eine negative Wirkung auf den

Gelenkstoffwechsel. Verschiedene wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Ergebnisse von Knorpeloperationen bei Rauchern schlechter sind als bei Nichtrauchern.


Nahrungsergänzungsstoffe

Die OARSI (Osteoarthritis Research Society International), die weltweit forschende Gesellschaft mit dem Themenschwerpunkt „Arthrose“, Nahrungsergänzungsmittel wie Glukosamin- und Chondroitinsulfat als wenig effektiv ein. Die wissenschaftliche Datenlage beschreibt sehr unklare Effekte. Da aber keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt sind, spricht auch nichts gegen einen Therapieversuch. Dieser sollte jedoch nach 6 wirkungsfreien Monaten beendet werden.

Die auf dem Markt befindliche Präparate mit Inhaltsstoffen wie Zink, Selen, Vitamin C etc. können bis dato wissenschaftlich keinen haltbaren Effekt erzielen.


Ein überhöhtes Gewicht spielt eine ganz zentrale Rolle bei der frühzeitigen Entstehung von Knorpelschäden und der Entwicklung eines schmerzhaften altersvorauseilenden Gelenkverschleiß (Arthrose). Daher muss Übergewicht unbedingt vermieden, bzw. abgebaut werden.


Die unfallbedingten Gelenkknorpelschäden können reduziert werden, wenn bei gelenkgefährdenden Sportarten (Inlineskaten, Fussball, Handball, Ski-/Snowboardfahen, Hockey etc.) entsprechende Schutzmassnahmen, wie z.b. das Tragen von Protektoren, ergriffen werden. Auf eine gute Technik bei der Sportausübung sollte geachtet werden, um Verletzungen zu vermeiden. Verschieden Sportverbände wie der DFB haben spezielle Verletzungspräventionsprogramme entwickelt um die Verletzungszahlen der Spieler zu minimieren.

Gegen die familiär gehäuft auftretenden Gelenkknorpelschäden, die auch oftmals in einem Gelenkverschleiss (der Arthrose) enden, kann man nicht wirklich vorbeugen.


Wenn man jedoch nachweislich zu überdurchschnittlichen Degenerationen am Halteapparat neigt, sollten Sportarten mit häufiger Wiederholung von Spitzenbelastungen vermieden werden. Das beinhaltet z.B das Joggen auf Asphalt sowie Rückschlagsportarten mit schnellen Richtungswechseln wie Badminton oder etwa Tennis.

Im Falle anhaltender Gelenkschmerzen und Schwellungen auch über 2-3 Wochen nach einer Belastung/Trauma sollten Sie einen Spezialisten kontaktieren und ggf. entzündliche oder degenerative Veränderungen behandeln lassen.

Konservative Therapie

Gelenkknorpelschäden müssen nicht zwingend operiert werden!

Man beginnt in aller Regel mit einer sogenannten konservativen Therapie, d.h. einer nicht operativen Therapie.

Hierzu gehören: entzündungshemmende, schmerzlindernde, abschwellende und knorpelstabilisierende Medikamente, Knorpelschutzbehandlung mit Hyaluronsäure, biologische Therapieverfahren, Hilfsmittel wie Orthesen, Bandagen und Schuhzurichtungen, Krankengymnastik, Kinesiotaping und physikalische Therapien.

Einzeln oder kombiniert, können diese sinnvoll eingesetzt werden, um die durch die Knorpelschäden bedingten Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen.

Medikamente

Bei der medikamentösen Behandlung von Knorpelschäden, bzw. arthrotischen Beschwerden (hier sind die Übergänge fliessend) steht die Schmerztherapie im Vordergrund. Dabei kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz. In welcher Form und Dosis ist dabei sehr entscheidend von der individuellen Situation des Patienten abhängig.

Zu den schmerzlindernden Medikamenten gehören Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Novaminsulfon, Tramadol, Tilidin und betäubungsmittelpflichtige Medikamente wie Morphinpräparate (Opioide).

Die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) haben zusätzlich noch eine entzündungshemmende Wirkung. Hierzu gehören beispielsweise Ibuprofen, Diclophenac und Naproxen.

Kortison (Steroid) ist ein sehr stark entzündungshemmendes Medikament, das durch die Minderung der Entzündung auch schmerzlindernd wirkt. Kortisonpräparate werden bei schwereren entzündlichen Phasen der Erkrankung, trotz der bekannten Nebenwirkungen, empfohlen. Diese werden üblicherweise lokal, d.h. durch Injektionen in oder an das Gelenk, bzw. auch als Tablettenform verabreicht.

Wenn die o.g. Medikamente mit ihrer entzündungshemmenden Wirkung nicht ausreichend schmerzstillend sind, so werden Opioide empfohlen.

Leider haben alle oben genannten Medikamente nicht nur eine effektive schmerzlindernde Wirkung, sondern besitzen zum Teil ein erhebliches Nebenwirkungspotential, weswegen sie nur unter ärztlicher Kontrolle angewendet werden dürfen.

Bitte beachten Sie, dass kein Medikament ein Fortschreiten der Erkrankung sicher hemmen oder gar aufhalten kann. Sie bleiben allein der Behandlung der Schmerzen vorbehalten.

Einen nachgewiesenen Effekt haben auch die SADOA (slow-acting drugs on osteo-arthritis). Diese knorpelstabilisierenden Substanzen mit dem Wirkstoff Hyaluronsäure (siehe „Knorpelschutzbehandlung mit Hyaluronsäure“ weiter unten) haben oftmals eine verbesserte Gelenkfunktion mit Hemmung der Entzündungsreaktionen zur Folge. Im Gegensatz zum Kortison kommt es jedoch zu einem späteren Wirkungseintritt (meist etwa um die 5 Woche nach erster Injektion), der Effekt ist dafür aber längerfristig. Zudem sind die Nebenwirkungen im Vergleich zu Kortikoidinjektionen deutlich geringer.

Knorpelstabilisierende Substanzen

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Medikamenten stuft die OARSI (Osteoarthritis Research Society International), die weltweit forschende Gesellschaft mit dem Themenschwerpunkt „Arthrose“, Nahrungsergänzungsmittel wie Glukosamin- und Chondroitinsulfat als wenig effektiv ein. Die wissenschaftliche Datenlage beschreibt sehr unklare Effekte. Da aber keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt sind, spricht auch nichts gegen einen Therapieversuch. Dieser sollte jedoch nach 6 wirkungsfreien Monaten beendet werden.

Die auf dem Markt befindliche Präparate mit Inhaltsstoffen wie Zink, Selen, Vitamin C etc. können bis dato wissenschaftlich keinen haltbaren Effekt erzielen.

Bitte beachten Sie, dass kein Nahrungsergänzungsmittel ein Fortschreiten der Erkrankung sicher hemmen oder gar aufhalten kann.

Knorpelschutz mit Hyaluronsäure

Im Arthrosegelenk ist der Knorpel rau und ausgedünnt, und die Gelenkflüssigkeit hat ihre viskösen Eigenschaften verloren. Die Folge ist eine schmerzbedingte verminderte Belastbarkeit des Gelenkes. Es kommt zu einem Teufelskreislauf, da mit abnehmender Bewegung und Belastung des Gelenkes auch die Viskosität der Gelenkflüssigkeit, und mit ihr der Schutz des verbliebenen Knorpels, zurückgeht.

Durch die Behandlung mit Hyaluronsäure kann eine Verbesserung der visko-elastischen Eigenschaften der krankhaften Gelenkflüssigkeit erreicht, und somit der Teufelskreislauf der Arthrose unterbrochen werden. Der visko-elastische Schutz lindert den Schmerz und verbessert die Belastbarkeit des Gelenkes, was wiederum die Beweglichkeit verbessert und den Gelenkstoffwechsel normalisiert.

Die Hyaluronsäure wird je nach Hersteller mittels 3-5 Spritzen im wöchentlichen Abstand in das geschädigte Gelenk eingebracht. Mittlerweile wird auch eine hochvernetze Hyaluronsäure hergestellt, die einmalig verabreicht wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass deren Wirkung 6-15 Monate, je nach Arthrosestadium, anhalten kann.

Die individuellen Reaktionen auf die Behandlung sind sehr unterschiedlich, nicht jeder reagiert gleich auf die Stoßdämpferfunktion der Hyaluronsäure. Auch wenn eine vollständige Schmerzbefreiung nicht garantiert werden kann, so ist doch die Aussicht auf mehr Beweglichkeit Grund genug, eine Behandlung mittels Hyaluronsäure zu versuchen. Sie kann sinnvoll bis zum Arthrosestadium 3 angewand werden. Ab dem Stadium 4 ist sie nicht mehr erfolgsversprechend.

Was ist und wo befindet sich Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure ist ein Biopolymer aus N-Acetylglukosamin und Glukonsäure. Sie wird in Gelenken von Knorpel- und bestimmten Synoviazellen synthetisiert. Sie ist in der Knorpelmatrix enthalten und spielt eine Rolle bei der Aufnahme von großen Volumina Wasser und dessen reversible Freisetzung bei Belastung, Basis der Elastizität des Gelenkknorpels. Durch die netzartige Anordnung ihrer Makromoleküle hat sie in der Synovialflüssigkeit die Funktion eines Siebes oder Filters: die Passage von Entzündungsmolekülen wird unterbunden, die Diffusion von Knorpelmetaboliten wird erlaubt. Sie ist auch Bestandteil der Synovialflüssigkeit und bestimmt dessen Viskosität.

Die Grenzschicht der Synovialmembran samt den eingelagerten Schmerzrezeptoren ist mit Hyaluronsäure beschichtet.

Aktuelle Studien zu dieser Therapieform sind auf der Homepage unter “Fachliteratur” zitiert.

Biologische Therapie

PRP-Therapie

Bei der PRP-Therapie (PRP=Platelet Rich Plasma) handelt es sich um eine Behandlung mit körpereigenen Wachstumsfaktoren welche einen Regenerationsprozess einleiten.

Wirkungsweise:

Bei der PRP-Therapie wird körpereigenes thrombozytenreiches Plasma in das Gelenk gespritzt. Thrombozyten oder Blutplättchen sind die kleinsten Zellen im Blut und spielen eine wichtige Rollein der Blutgerinnung und beinhalten wichtige Wachstumshormone.

Die Wirkung der PRP-Therapie beruht auf dem Freisetzen von Wachstumsfaktoren aus den Thrombozyten. Diese Wachstumshormone leiten am Ort der Injektion Selbstheilungs- und Regenerationsprozesse ein indem

  • verschiedene Zelltypen (Stammzellen, Chondrozyten, Osteoblasten) aktiviert werden.
  • die Produktion von Kollagen und Proteoglykanen (Grundbaustoffe des Knorpels) moduliert und verbessert wird.

Vorgehensweise:

Zunächst wird dem Patient Blut abgenommen und dieses zentrifugiert. Das PRP lässt sich sehr einfach in einem geschlossenen sterilem System herstellen. Die Spritze mit dem PRP ist nach 20 Minuten fertig, der Inhalt kann dann direkt in das betroffene Gelenk injiziert werden. Es hat sich bewährt, kurmäßig wöchentliche intra-artikuläre Injektionen 6x hintereinander durch zu führen, worauf es zu einer signifikanten Schmerzlinderung in Gelenken mit Knorpelschäden kommt.

Anwendungsgebiete:

  • nach Knorpeloperationen wie Mikrofrakturierung, Mosaikplastik oder autologer Chondrozyten Transplantation (ACT)
  • nach Operationen an Sehnen wie nach Kreuzband-, Achillessehnen- oder Rotatorenmanschettenverletzungen
  • Knorpelschädigungen Grad 1-3 an großen und kleinen Gelenken der Extremitäten und der Wirbelgelenke,• frische Muskelfaserisse, Meniskusverletzungen und Sehnenverletzungen
  • Rupturen und Teilrupturen von Bändern wie z.B. am Außenband vom Sprunggelenk
  • chronische Sehnenentzündungen (Tennisellenbogen, Achillessehne, Patellasehne)

Aktuelle Studien zu dieser Therapieform sind auf der Homepage unter Fachliteratur zitiert.

Interleukin Therapie

Hierbei handelt es sich um eine Therapie mit körpereigenen Proteinen zur Verhinderung des Fortschreitens der Gelenkarthrose.

Wirkungsweise:

Bei diesem Therapieverfahren wird aus Patientenblut, mit Hilfe spezieller Blutabnahmeröhrchen, ein Serum mit erhöhten Konzentrationen anti-inflammatorischer Zytokine hergestellt. Dieses autologe konditionierte Serum wird anschließend in einer Serie von Injektionen lokal in die betroffene Region (Gelenk oder Wirbelsäule) gespritzt.


Es ist bekannt, dass das Protein Interleukin-1 (IL-1) maßgeblich bei Gelenkerkrankungen und dem Abbau von Knorpelsubstanz involviert ist. Zur Therapie von degenerativen Gelenkerkrankungen eignet sich deshalb der natürliche Gegenspieler, der Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra). Dieser blockiert die Aktion des IL-1 und wirkt so entzündungshemmend, schmerzlindernd und Knorpel schützend. Insbesondere bei Arthrose des Kniegelenks und der Hüfte können mit der Interleukin-Therapie gute Erfolge erzielt werden. Bei drei Viertel der Patienten lassen Schmerzen und Entzündung kurze Zeit nach der Behandlung nach.

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Interleukin-Therapie wurde in verschiedenen kontrollierten klinischen Studien nach internationalen Standards untersucht und nachgewiesen.

Vorgehensweise:

  • Herstellung eines körpereigenen, proteinreichen Serums mit Entnahme von Eigenblut aus der Armvene
  • Zur Vermehrung der Proteine Inkubation (Erhitzung) bei 37 Grad
  • Das proteinreiche Serum wird anschließend entnommen und in Spritzen abgefüllt und tiefgefroren
  • Das Serum steht jetzt zur Anwendung an Gelenk oder Wirbelsäule bereit. Es werden meist 5 Injektionen durchgeführt

Aktuelle Studien zu dieser Therapieform sind auf der Homepage unter "Fachliteratur" zitiert.

Hilfsmittel

Für die Arthrosebehandlung kommen im wesentlichen Orthesen (Gelenkschienen) zum Einsatz, die einen bestimmten, besonders belasteten und daher besonders schmerzhaften Gelenkanteil gezielt entlasten. Zum Beispiel kann mit deren Einsatz die Knieinnenseite beim O-Bein oder die Gelenkaußenseite beim X–Bein entlastet werden, und somit häufig eine deutliche Beschwerdelinderung erzielt werden.

Orthese werden auch in der Rehabilitation von Knorpelverletzungen, z.B. nach Operationen, eingesetzt. Durch den Schutz der betroffenen Gelenkabschnitte wird über Druckentlastung und Stabilisierung die Geweberegenaration gefördert und so eine schnellere Rehabilitation erreicht.

Auch wenn die wissenschaftliche Datenlage über den maximalen Entlastungseffekt mittels Orthesen sehr unklar ist, wird von etwa 20-30% Entlastung des betroffenen Gelenkabschnitts ausgegangen. Messungen haben auch ergeben, dass stabilere Orthesen einen besseren Effekt haben als weichere. Einige Beispiele für Orthesen sind die Unloader der Firma Össur, die Agilium Freestep von Otto Bock, die M4s OA von Medi, oder die 4Titude OA Nano von Donjoy.

Bandagen haben eher einen komprimierenden als einen entlastenden Effekt.

Der Therapieerfolg mit Orthesen und Bandagen ist bei übergewichtigen Menschen insgesamt als schlechter einzuschätzen.

Auch Schuheinlagen können bei milden Beschwerden von Arthrosen im Bein-/Hüftbereich eine Linderung erzielen. Einlagen mit einer Außenranderhöhung von einigen Millimetern entlasten leicht die Innenseite des Kniegelenkes. Umgekehrt wird die Aussenseite mit einer Innenranderhöhung leicht entlastet. Diese Innen- und Aussenranderhöhungen können auch direkt an der Schuhsohle (Schuhzurichtung) angebracht werden, was effektiver entlastend wirkt. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch nur mäßig. Das gleiche gilt für Pufferabsätze die zur Dämpfung eingesetzt werden können.

Krankengymnastik

Bei der Arthrose, aber auch nach Gelenkeingriffen, kommt es zu einer zunehmenden Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks, zu Verkürzungen der umliegenden Weichteile und zur Verschmächtigung der Muskulatur. Krankengymnastik, auch in Verbindung mit physikalische Therapie, kann zur Verbesserung der Beweglichkeit beitragen, die Muskulatur kräftigen, Weichteile dehnen, und so akute und chronische Schmerzen lindern und somit die Gelenkfunktion verbessern.

Mit Krankengymnastik kann auch eine Besserung der Koordination und des Gleichgewichtes erreicht werden. Hinzu kommt noch die Anleitung zum richtigen Umgang mit Hilfsmitteln wie Gehstöcke oder Rollator.

Generell gilt: Arthrose muss bewegt werden, Ruhigstellung ist fatal. Bewegung ohne Belastung wie Heimtrainer oder Fahrradfahren und Schwimmen sind die wesentlichen Faktoren für eine erfolgreiche konservative Therapie.

Die Krankengymnastik dient ganz wesentlich neben der Traktions- und Mobilisationsbehandlung zur Anleitung zur aktiven Eigentherapie.

Man kann sich nicht gesund werden lassen! Hierzu ist konsequente aktive Mitarbeit erforderlich.

Physikalische Therapie

Je nach Situation kommen bei der Arthrosebehandlung, oder auch nach Gelenkoperationen, bei der physikalischen Therapie Kälte- oder Wärmebehandlung, Elektrotherapie, Ultraschallbehandlung, Massage und Wassergymnastik einzeln oder kombiniert zur Anwendung. Diese wirken abschwellend und schmerzlindernd, Verbessern den Gelenkstoffwechsel und haben einen positiven Effekt auf das Unterhautgewebe und die Weichteile, und steuern so zur Verbesserung der Gelenkfunktion bei.

Operative Therapie



Hier erhalten Sie alle wichtigen Informationen über moderne operative Behandlungsmethoden von Knorpelschäden.


Viele Gelenkknorpelschäden entstehen durch einen Unfall, wie z.B. eine Sprunggelenks- oder Knieverdrehung. Bei einem erwachsenen Menschen besteht leider keine Selbstheilungstendenz bei Knorpelschäden. Ein einmal gesetzter Schaden bleibt somit lebenslang bestehen und wird sich im Laufe der Zeit vergrößern. Dagegen besteht im Kindesalter bis zum Verschluss der Wachstumsfugen an den Knochen noch eine gewisse Tendenz zur Selbstheilung des Knorpels.

​Unbehandelte vollschichtige Knorpelschäden, d.h. bis auf den Knochen reichend, führen daher beim Erwachsenen unweigerlich zu einem altersvorauseilenden Gelenkverschleiß. Man unterscheidet hierbei eine stumme, ruhende Arthrose, die unbemerkt keine Beschwerden bereitet, von einer aktivierten Arthrose, die mit Schmerzen, Schwellung, Gelenkergüssen, Bewegungseinschränkung und Blockaden einher gehen kann.

Gelenkknorpelschäden müssen nicht zwingend operiert werden. Der Grad der Schädigung (Klassifikation Grad I bis IV) spielt in der Therapieentscheidung eine wichtige Rolle. Man kann auch rein konservativ symptomatisch, z.B. durch Schmerzmittelgabe, knorpelstabilisierende Substanzen (Hyaluronsäure, Chondroitin/Glucosamin) oder durch krankengymnastische Beübung behandeln.

Allerdings bringt dies natürlich keine ursächliche Heilung des Grundleidens, sondern nur eine Beschwerdelinderung. Wenn aber Schmerzen im Vordergrund stehen, kann eine operative Therapie empfohlen werden. Dafür sind örtlich begrenzte Knorpelschäden besonders geeignet. Es ist grundsätzlich zu beachten, dass Begleitverletzungen wie Bandinstabilitäten, Kniescheibenverrenkung, Beinachsfehlstellungen wie X- und O-Bein, Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Gicht oder Infektionen, unbedingt mit behandelt werden müssen, um mit einer Knorpeltherapie erfolgreich zu sein.

Die einfachste Form der operativen Knorpeltherapie ist die Spülung des Gelenkes, um die Schleimhaut von den reizenden Abriebpartikeln des Knorpel zu befreien. Dies geschieht bei jeder Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie). Die nächste Stufe der Therapie besteht in der sogenannten Knorpelglättung. Dabei werden lockere, aus dem Verbund sich lösende, oder fransig degenerierte Knorpelanteile, abgetragen, damit diese sich nicht weiter Ablösen können und wieder zu einer Reizung der Gelenkschleimhaut bis hin zu Blockaden – bei größeren abgelösten Knorpelstücken - führen können.

Bei den knorpelregenerativen Verfahren unterscheidet man die knochenmarkstimulierenden Verfahren von der Knorpeltransplantationsverfahren.

Mikrofrakturierung

Am häufigsten eingesetzt, weil relativ einfach zu realisieren, ist die Mikrofrakturierung (MIF). Sie wird seit 1985 praktiziert. Die Indikation besteht bei der Behandlung kleiner Knorpeldefekte bis 2-3 cm².

Zur Technik: bei der MIF werden mit einer unterschiedlich abgewinkelten spitzen Ahle ca. 3mm durchmessende Löcher durch die Knochenlamelle geschlagen. Hierdurch wird eine Verbindung zum Knochen geschaffen, um Knochenmarkzellen und Stammzellen aus der Tiefe des Knochens in den Defekt hinein zu bekommen. Diese Zellen mischen sich mit dem sich bildenden Blutgerinsel und führen so zu einem Regeneratknorpel.

Die Nachbehandlung ist für alle knorpelregenerativen Verfahren sehr ähnlich und im Wesentlichen abhängig von der Größe und Lokalisation der Knorpelschäden. Das heißt, meist 6 wöchige Teilbelastung mit Bodenkontakt und Anwendung der passiven Motorschine (CPM) für 4-6 Wochen postoperativ (Einzelheiten siehe weiter unten).

Vorteile der MIF: sie ist kostengünstig, einzeitig, wenig invasiv da arthroskopisch durchführbar, und zeigt zufriedenstellende Ergebnisse.

Nachteile des Verfahrens sind, dass gute Ergebnisse nur bei Defekten kleiner 2-3cm² erwartet werden können. Die Ergebnisse verschlechtern sich aber auch häufig nach ca. 3 Jahren. Das Knorpelregenerat besteht meist nur aus minderwertigem Faserknorpel, der sich nach 3 Jahren meist wieder abbaut. Ausserdem wird aus einem reinen Knorpeldefekt ein Knorpel- und Knochendefekt gemacht. Relativ häufig kommt es zur Komplikation mit einer Zystenbildung im Knochen unterhalb der Knorpelschicht, und zu Knochenneubildung statt zur gewünschten Knorpelneubildung.

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Nanofrakturierung

Wir wenden die MIF wie oben beschrieben heute nur noch relativ selten an, da die Nanofrakturierung bessere Ergebnisse erwarten lässt.

Die Nanofrakturierung (NF) ist eine Weiterentwicklung der MIF. Indikation, Wirkungsprinzip und Nachbehandlung ist identisch, nur wird bei der NF mit einem 1mm Draht, der mit definierter Tiefe von 9 mm eingeschlagen wird, die Verbindung zum Knochen hergestellt. Das Nanofrakturierungsinstrumentarium ist nur einmal zu verwenden und kostet ca. 180 Euro.

Wir erwarten bei der Nanofrakturierung etwas bessere Ergebnisse im Sinne von besserem Regeneratknorpel, und eine geringere Komplikationsrate für die Zystenbildung im Knochen und die Verknöcherung des Regenerates.

Im Ergebnis ähnliche Befunde dürfen wir bei der Anbohrung (Pridie) des Knochens mit 1-1,4mm durchmessenden Drähten erwarten. Dabei besitzt die Bohrtiefe keine definierte Länge und kann der Lokalisation und der Knochenqualität des Defektes individuell angepasst werden.

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Abrasion

Die Abrasion ist ein schon seit 1981 angewandtes Verfahren, bei dem der Knochen mit einer Fräse oberflächlich aufgeraut und die Knochenschale solange abgetragen wird, bis es zu einer feinen Blutung aus den Knochenmark kommt. Es sollen dabei Knochenmarkszellen und Stammzellen aus dem Knochen in den Defekt hinein gelangen. Diese Zellen mischen sich mit dem sich bildenden Blutgerinsel und führen so zu einem Regeneratknorpel. Diese Technik wurde meist sehr großflächig eingesetzt. Es besteht trotz der langen Anwendungszeit bis heute keine gute Studienlage, und die Ergebnisse sind eher schlechter als die der MIF. Die Abrasion wird daher heute nur noch selten angewandt.

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Zellfreie Implantate

Zellfreie Implantate sind seit 2004 auf dem Markt. Das erste zertifizierte Implantat war die Chondro-Gide Membran®. Es handelt sich dabei um eine zweischichtige Membran, die in den zuvor bearbeiteten Knorpeldefekt plaziert und eingenäht oder eingeklebt wird.

Die Idee bei den zellfreien Implantaten ist, bei kleinen Defekten bis 2cm², als Platzhalter zu dienen, in den Knorpelzellen einwandern und so einen Regeneratknorpel bilden können. Dies ist nach heutigem Wissensstand nur bei kleinen Defekten möglich.

Bei größeren Defekten größer 2-3 cm² soll die Membran dazu dienen, nach Anwendung der knochenmarkstimulierenden Techniken (MIF/NF/Abrasion), die aus dem Knochen kommenden Knochenmarkzellen und Stammzellen im Defekt zu halten. Diese wachsen dann in das Membrangewebe ein und entwickeln sich dort zu einem Regeneratknorpel (sog. AMIC Verfahren: autologe Matrix induzierte Chondrogenese).

Eine Überlegenheit gegenüber den reinen knochenmarkstimulierenden Techniken konnte bisher nicht bewiesen werden, aber die Knorpelgewebequalität ist wohl besser als bei diesen Techniken. Die Preise für solche zellfreie Implantate bewegen sich zwischen 585 Euro und 3000 Euro. Ein Teil der Implantate kann auch arthroskopisch implantiert werden. Es gibt feste und flüssige Formen.

Mittlerweile gibt es in Deutschland mindestens 9 zugelassene zellfreie Implantate:

  • Chondro-Gide® als zweischichtige Membran aus Kollagen 1
  • Hyalofast® eine Membran aus Hyaluronsäurefasern
  • Cartimaix® eine Kollagenmembran
  • Novocart Basic® eine zweiphasische Kollagenmembran
  • BST Cargel® Chitosanlösung mit Glycerolphosphat und Pufferlösung als Gel
  • CaReS-1S® in Hydrogel eingebettetes Kollagen
  • Chondrofiller® eine Kollagenmembran oder -gel
  • Chondrotissue® Membran aus Hyaluron- und Polyglykolsäure
  • JointRep® Hydrogel mit Chitosan und Glukosamin

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Knorpel-Knochentransplantation

Die Knorpel-Knochentransplantation wird als OCT (OCT - osteochondrale Transplantation), oder Mosaikplastik bei der Transplantation mehrerer Knorpel-Knochenzylinder, benannt.

Kleinere Knorpeldefekte und auch Knorpel-Knochendefekte von 1-3 cm², die in der gewichttragenden Hauptbelastungszone des Oberschenkelknochens liegen, können mit einem Knorpel-Knochenzylinder aus einem gering belasteten Knorpelbezirk des Kniegelenkes, meist aus dem inneren oder äußeren Kniescheibengleitlager, gewonnen und in das Defektareal transplantiert werden.

Dabei wird nach dem Dübelprinzip der Defektzylinder etwas kleiner und der gesunde Zylinder ca. 1 mm im Durchmesser größer gewählt und so pressfit, wie bei einem Holzdübel in das Defektareal, vorsichtig eingeschlagen. Diese Behandlungsoption wurde erstmals 1964 durch Wagner beschrieben und zeigt gute bis sehr gute Langzeitergebnisse über 10-20 Jahre in einem hohen Anteil der Fälle.(Hangody; Laprell/ Petersen).

Die Knorpel-Knochentransplantation ist die Therapie der Wahl bei der Osteochondrosis dissecans (OD) mit einer Größe von bis zu ca. 3 cm im Stadium 3 und 4., da sowohl der Knorpel als auch der Knochendefekt angegangen wird. Die Osteochondrosis dissecans ist ein örtlich begrenzt absterbender gelenknaher Knochen, bei dem der hierüber liegende Knorpel auch – meist langsam - mit zugrunde geht und schließlich als knorpel-knöcherner Gelenkkörper (sogenannte „Gelenkmaus“) ausbricht und als freier Gelenkkörper im Gelenk zu Beschwerden und Blockaden führen kann.

Die Osteochondrosis dissecans wird anhand des Röntgenbildes in 4 Stadien eingeteilt, bei denen im Stadium 3 und 4 eine Operationsindikation zur Knorpel-Knochentransplanation besteht.

  • Stadium 1: Schlummerstadium noch nicht sichtbar, nur im MRT!
  • Stadium 2: Deutliche Aufhellung des Knochens unter dem Knorpel
  • Stadium 3: Scharfe Abgrenzung des OD-Bezirkes gegenüber dem gesunden Knochen durch verkalkten Randsaum
  • Stadium 4: Das Defektareal ist leer, ein freier Gelenkkörper (Gelenkmaus) befindet sich im Gelenk.

Im Hochleistungssport ist bei kleineren Defekten bis 3cm² wegen der relativ schnellen Belastbarkeit die Knorpel-Knochentransplanation die Therapie der Wahl.

Auch bei örtlich begrenzt über einen längeren Zeitraum verbleibendem Knochenmarködem, sowie dicht unter dem Knorpel im Knochen liegenden Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) ist die Knorpel-Knochentransplanation ein erfolgversprechendes Operationsverfahren.

Vorteile der Knorpel-Knochentransplantation:

  • Es ist ein einzeitiges Verfahren, d.h. mit einer Operation ist der operative Teil des Verfahrens abgeschlossen und es schließt sich eine relativ kurze Rehabilitationsphase an.
  • Der Defekt ist sofort mit gesundem festem Knorpelgewebe ausgefüllt. Es besteht eine relativ frühe Belastbarkeit nach ca. 6 Wochen und Sportfähigkeit nach ca. 3 Monaten in Abhängigkeit von der Größe und Lage des Defektes.
  • Sie ist zum Teil arthroskopisch durchführbar
  • Sie ist kostengünstig

Nachteile der Knorpel-Knochentransplantation:

  • Es verbleibt rund um das Transplantat ein kleiner Spaltraum mit Narbengewebe.
  • Es muss ein oder mehrere Knorpel-Knochenzylinder aus einer gesunden wenig belasteten Knorpelregion gewonnen werden mit begrenzt verfügbarer Menge und Schaffung eines neuen Defektes, der in ca. 5% zu Beschwerden führen kann.
  • Es wird aus einem z.T. reinen Knorpelschaden ein knorpel-knöcherner Defekt mit der, wenn auch relativ seltenen, Möglichkeit, dass der Knochenzylinder nicht stabil einheilt.
  • Die exakte Einstellung und Transplantation des Knorpel-Knochenzylinders, sodass es zu keiner Stufenbildung zum umliegenden Knochen bzw. Knorpel kommt, ist anspruchsvoll, schwierig und nicht immer exakt möglich.

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Knorpelzelltransplantation

Die MACT - matrixgekoppelte autologe Chondrozytentransplantation oder körpereigene Knorpelzelltransplantation - bietet die Möglichkeit, größere und große Knorpeldefekte Grad 3 und 4 (Outerbridge Klassifikation) von mehr als 2-3 cm² wieder mit hyalinartigem Knorpel, d.h. dem gesunden Knorpelgewebe sehr ähnlichem Knorpelgewebe, zu rekonstruieren.

Bei korrekter Indikationsstellung, adäquatem Verhalten des Patienten und richtiger Nachbehandlung sind gute und sehr gute Ergebnisse in 70-80% der Fälle zu erwarten.

Die MACT wird seit 30 Jahren angewandt. Sie ist das am besten untersuchte Operationsverfahren in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Da die MACT seit 2007 in der EU als Medikament eingestuft wird, sind für deren Zulassung Studien und ein Wirksamkeitsnachweis, wie für Arzneimittel, erforderlich.

Um als Operateur und Klinik eine Knorpelzelltransplantation

durchführen zu dürfen, müssen aufwendige Zertifizierungs- und Schulungsmaßnahmen erfolgen, und eine Genehmigung bei der zuständigen Bezirksregierung eingeholt werden.

Auch für die Transplantation selbst ist ein umfangreicher bürokratischer Aufwand erforderlich, sodass die Methode trotz hoher Effektivität und guter Erfolgsaussicht nur von relativ wenigen Ärzten und Kliniken angeboten wird.

Die reinen Kultivierungskosten belaufen sich auf ca. 4.500-6.000 Euro. Bei korrekter Indikationsstellung und Berücksichtigung aller administrativer Auflagen, einschließlich der Auflage den Fall in eine Studie einzubringen, und vollständiger Dokumentation, werden die Kosten neben den Operations- und Krankenhauskosten in aller Regel von den Krankenkassen übernommen.

Indikation zur MACT:

Knorpeldefekte Grad 3 und 4 (Outerbridge), die Größer als 2-3 cm² sind

Kontraindikationen zur MACT:

  • Ursächliche Begleiterkrankungen, die nicht gleichzeitig behandelt werden
  • Funktionell weitgehend entfernter Meniskus im betroffenen Gelenkanteil
  • Fortgeschrittene Arthrose
  • Sogenannte Kissing lesions, bei denen 3-4 gradige Knorpelschäden auch an der direkt gegenüberliegenden Knorpelfläche vorliegen
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen wie Rheuma
  • Relative Kontraindikation, da von den Krankenkassen die Kostenzusage nicht gesichert ist, ist die MACT bei Kindern und Jugendlichen mit noch offenen Wachstumsfugen an den Knochen.

Günstige Voraussetzungen für ein gutes Ergebnis:

  • Junger Patient unter 30-35J
  • Aktiver Sportler
  • Keine Voroperationen
  • Männlich
  • Kurzer Symptomzeitraum (12 Monate)
  • Ein Defekt u. Defektgröße mehr als 2-3 cm²
  • Nichtraucher

Ungünstige Voraussetzungen:

  • knochenmarkstimulierende Voroperation ( P=.041)
  • weibliches Geschlecht ( P=.033)
  • ACT der ersten Generation ( P=.028)
  • verschiedene Voroperationen am selben Knie (P=.002)
  • Beschwerdeanamnesedauer > 1-2 Jahre
  • Raucher

Technik:

Für die körpereigene Knorpeltransplantation (MACT) sind zwei Operationen im Abstand von ca. 3 bzw. 6-8 Wochen, je nach kultivierender Firma, erforderlich.

Bei der ersten Operation wird arthroskopisch die Indikation überprüft und sofern keine Kontraindikation besteht, eine kleine Menge Knorpel aus einem nicht belastetem Bezirk gewonnen. Diese Knorpelbiopsie wird per Eilboten zu einem der zwei in Deutschland ansässigen und zugelassenen Speziallabors gesandt. Dort werden die Knorpelzellen in einem aufwändigen Verfahren aus den Biopsien isoliert und in speziellen Nährlösungen vermehrt.

Bei der Kultivierung durch die Firma TETEC (Novocart®) in Reutlingen bei Stuttgart werden die Knorpelzellen in Fremdspenderblut ca. 3 Wochen vermehrt und dann auf eine Kollagenmembran (Matrix) aufgebracht, und so als Kollagenflies oder

Kollagengel zur Transplantation der operierenden Klinik für den zweiten Eingriff wieder per Eilbote zurückgesandt.

Bei der Kultivierung durch die Firma co.don (Spherox®) in Teltow bei Berlin werden die Knorpelzellen ebenfalls aus der Biopsie isoliert, im Eigenblut des Patienten kultiviert und durch ein spezielles Verfahren

dazu gebracht schon in der Kultur sich nicht nur zu vermehren, sondern auch schon Knorpelgewebe zu produzieren. Dadurch benötigt man bei diesem Verfahren keine Fremdmatrix (Kollagenmembran) und kann zur Transplantation nach einem längeren Kultivierungszeitraum von ca. 6-8 Wochen sogenannte Knorpelzellhaufen mit Knorpelgewebe zur Transplantation zur Verfügung stellen.

Bei der zweiten Operation werden die kultivierten Transplantate über eine Arthroskopie, oder je nach Lage, Größe oder zusätzlichem Eingriff über eine Miniarthrotomie (kleine Gelenkeröffnung), in den zur Transplantation vorbereiteten Defekt eingebracht. Diese Operation geschieht kurzstationär mit 3-5 Tagen Aufenthalt im Krankenhaus.

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Welche Gelenke sind dafür geeignet?

Die häufigste Anwendung der MACT findet am Kniegelenk statt, wobei mit den neuen Techniken alle Bezirke transplantiert werden können. Immer öfter findet die Behandlung auch am Hüft- und Sprunggelenk statt, wenn die Mikrofrakturierung, die an diesem Gelenk in den meisten Fällen langfristige Erfolge zeigt, versagt. Seltenere Indikationen finden sich am Schultergelenk.

Wie verläuft die Nachbehandlung?

Jeder Patient erhält einen genauen, individuellen Nachbehandlungsplan.

In der Regel wird nach 24 Stunden Bettruhe mit aktiver und passiver krankengymnastischer Übungsbehandlung begonnen. Eine Motorschienenbehandlung (hierbei bewegt eine elektrisch betriebene Schiene das Knie, ohne dass das Gelenk belastet wird) sollte für die gesamte Zeit, meist 6 Wochen erfolgen, damit sich eine möglichst gute Ersatzknorpelqualität bildet. Eine solche Motorschiene wird Ihnen vor Entlassung für zu Hause verordnet, wobei auch hier oft die Kostenübernahme mit der Krankenkasse zu klären ist.

Das zugelassene postoperative Bewegungsausmaß richtet sich nach der Defekt-Lokalisation und den Begleiteingriffen wie Kreuzbandplastik, Meniskusnaht, Patella-Stabilisierung oder Beinachsveränderung. In einfachen Fällen ist eine sofortige freie Beweglichkeit erlaubt. Bei ungünstiger Defekt-Lokalisation oder komplexeren Operationen darf die Beugung nur stufenweise gesteigert werden. Hierzu kommen Orthesen zur Anwendung. Spätestens nach 6 Wochen darf das betroffene Knie frei bewegt werden.

Eine Entlassung aus der stationären Behandlung ist meist nach wenigen Tagen möglich. Allerdings ist streng darauf zu achten, dass das operierte

Bein für insgesamt 6 Wochen mehrere Stunden täglich bewegt, aber in vielen Fällen nur mit maximal 20 kg teilbelastet wird. In dieser Zeit soll bis zur Belastung mit mind. halbem Körpergewicht täglich Thromboseprophylaxe (meist Thrombosespritzen) verabreicht werden. In manchen Fällen kann mit dem Einsatz spezieller Entlastungsorthesen schon eine Vollbelastung nach 4 Wochen erfolgen.

Nach 6 Wochen (in manchen Fällen auch früher) erfolgt ein schmerzadaptierter Belastungsaufbau.
Bis zur Vollbelastung können je nach Situation 6-12 Wochen vergehen!

Nach dieser Zeit können Sie wieder Ihre gewohnte Alltagstätigkeit aufnehmen. Wandern, Radfahren und Schwimmen sind ebenfalls möglich.

Sprung- und Laufsportarten sollten jedoch 12 Monate lang nicht durchgeführt werden.

Wie sind die Behandlungsergebnisse?

In den letzten 25 Jahren wurden weltweit ca. 25.000 Knorpeltransplantationen vorgenommen. In zahlreichen zum Teil hochkarätigen Studien konnte die Wirksamkeit und Effektivität der Knorpeltransplantation auch in der mittel- und langfristigen Nachbeobachtung nachgewiesen werden. Die ACT zeigt hierbei zwischen 75% u. 92% der Patienten gute und sehr gute Ergebnisse bis zu 20 Jahre postoperativ. Dabei gibt es ab einer Defektgröße über 4cm² keine Alternative zur ACT und auch bei einer Defektgröße von ca. 2,5cm² konnte eine leichte Überlegenheit der ACT gegenüber den knochenmarkstimulierenden Verfahren , wie der Mikrofrakturierung, nachgewiesen werden.

Jüngere Patienten (bis 35J) haben die besten Ergebnisse. Auch die Zahl der Voroperationen und die Dauer der Leidensvorgeschichte spielt eine gewichtige Rolle für das Endergebnis.

Die Ergebnisse bleiben meist auch im Langzeitverlauf stabil und verbessern sich zum Teil sogar noch.

In der arthroskopischen Technik verbessert sich das Ergebnis bis zum 18 Monat postoperativ. Bei der offenen Technik dauert es bis zu 24 Monaten.

Im MRT konnte 9-18 Jahren nach der Knorpeltransplantation gezeigt werden, das der Regeneratknorpel ähnliche Qualität besitzt wie der gesunde Umgebungsknorpel.

Gewebeproben aus dem Transplantatbereich nach mehr als 18 Monaten postop nach ACT besaßen bei beschwerdefreien Patienten 83% normales, hyalines Knorpelgewebe, insgesamt bei 45% der Patienten nahezu gesundes, ausgereiftes Knorpelgewebe.

Sportliches Training nach ACT verbessert das Langzeitergebnis und sollte mindestens 2-3 Jahre postop durchgeführt werden.

Patienten, bei denen in einer Voroperation mit Mikrofrakturierung der Defektbereich bearbeitet wurde, zeigen 3 mal häufiger Komplikationen, wie zum Beispiel Transplantatversagen, als nicht voroperierte Patienten.

Die Knorpeltransplantation der ersten Generation besitzt die größte Versagensrate mit 27%. Die ACT der dritten Generation und Arthrotomie hat noch 5% Versagensquote und die ACT der dritten Generation in arthroskopscher Technik nur noch 1,4%.

Risikofaktoren für ein erhöhtes Revisionsrisiko sind:

  • Knochenmarkstimulierende Voroperationen
  • ACT der ersten Generation
  • Mehrere Voroperationen am selben Gelenk
  • Tendentiell weibliches Geschlecht
  • Tendentiell Raucher

Die aktuelle Studienlage zeigt, dass junge, nicht voroperierte, sportlich aktive Patienten, mit kurzem Beschwerdeintervall, und einem Knorpeldefekt größer als 2,5-3 cm² besonders gute Voraussetzungen für eine Knorpeltransplantation haben.